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Markus, m24 Niedersachsen
531 Beiträge
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13.07.2005 09:37:18 |
Was macht eine Band, die von Ober-Keks Fred Durst einen Plattenvertrag angeboten bekommt? Beispielsweise kann man seine Bandkollegen raus schmeißen, um den Forderungen des Bizkit-Frontmannes nach zu kommen. Man kann aber auch als erstes auf die Toilette gehen und sich vor lauter Freude die Nudel würgen, oder das Glatze-Mütze-Spiel spielen. Nichts von dem trifft auf Union Youth zu, denn statt dem findigen Geschäftsmann um den Hals zu fallen, haben sie ihm kurzerhand eine Absage erteilt. Hervor gegangen ist Union Youth aus den Überresten von Jonas. Aus dem beschaulichen Kurstädtchen Bad Bentheim im südwestlichen Niedersachsen zieht es die Band hinaus in die Welt, um ihre Musik zu verbreiten. Bei einem Konzert von Tocotronic drücken sie Basser Jan Müller ein Tape in die Hand. Das Band läuft bei den Tocos im Tourbus - spontan entschließt sich Müller dazu, die Band beim eigenen Label Rock-O-Tronic unter Vertrag zu nehmen. Mit Arne Zank und Tocotronics Mischer Christian Mevs produziert er zwei Platten ("Suicide September Relationship" und "Sorry, I'm Sorry, I'm Sorry"). Diese beiden Scheiben stehen auch heute noch bei Liebhabern melancholischer Rockmucke hoch im Kurs. Aber irgendwie war diese Ehe von vorneherein zum Scheitern verurteilt. In das eher spröde-intellektuelle Umfeld der Hamburger Schüler will der amerikanisch gefärbte Grunge-Sound der blutjungen Buben (Schlagzeuger Sebastian Fremder ist mit 19 Jahren Ältester der Gruppe) nicht so recht passen. Das Echo auf Jonas ist zwar überwiegend positiv, aber von Komsumentenseite leider nur ein kleines und so kommt es, dass sich die Band in Stille auflöst. Matthias Exler (Gitarre, Gesang) und Jan Van Triest (Bass) - die sich schon länger kennen und auch gemeinsam zur Schule gegangen sind, machen alleine weiter, ohne richtige Vorstellung, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Im Sommer 2001 steht fest, dass die Zusammenarbeit mit Rock-O-Tronic und L'Age D'Or keine Fortsetzung erfährt. Trotzdem werkeln Matthias und Jan an ersten Demos. In Kollaboration mit Scumbucket- und Blackmail-Produzent Kurt Ebelhäuser entsteht eine CD mit fünf fertigen Songs, erste Konzerte unter dem Namen Union Youth werden absolviert. Im Dezember erscheint der Song "Planet Of Pity" auf der Bonus-CD eines Alternative-Magazins und kann überzeugen. Der gute Kontakt zu Ebelhäuser sorgt für Engagements der Combo im Vorprogramm von Blackmail und Scumbucket. Im weiteren Verlauf des Jahres 2002 treten sie auch noch im Rahmen der Hurricane-Southside-Clubtour auf. Der größte Slot aber sind die zwei Konzerte im Vorprogramm von Bush. Ebenjener Band, bei der Matthias und Jan einmal versucht haben, ein Demotape auf die Bühne zu werfen, das aber (glücklicherweise?) nicht beim Adressaten ankommt. Auf Tour machen sie eine mehr als nur gute Figur - mit der Folge, dass langsam aber sicher das Interesse der Plattenfirmen geweckt wird. Ein erstes Lebenszeichen auf offiziellem Tonträger ist die Split-EP mit Songs von Ken und einem Nebenprojekt der Scumbucket-Blackmail-Truppe auf RaketeMusik. Bis nach Amiland dringt die Kunde der Bad Bentheimer: Durst soll Gerüchten zufolge schon mit dem Scheckbuch gewedelt haben, als sich Matthias und Co. dann aber für Eastwest Records entscheiden, die ihnen die größere künstlerische Freiheit einräumen. In aller Ruhe können sie sich jetzt auf die Aufnahmen zum im September 2002 erscheinenden Album "The Royal Gene" vorbereiten. Die Essenzen des Union Youth-Sounds unterscheiden sich nicht so sehr von dem, was Jonas ausgemacht haben. Songstrukturen, die an Nirvana erinnern, würzen sie, damit sie nicht zum tumben Plagiat verkommen, mit jugendlicher Frische. Insgeheim schielt man anscheinend auch auf den internationalen Markt, denn Namen wie Exler und Van Triest führen im angelsächsischen Sprachraum zu Zungenbruch. Deshalb gibts neue Spitznamen: die Band besteht aus den sagenumwobenen Maze Budget (Gitarre und Gesang), Bowy (Schlagzeug), Nosse K. (Bass) und Jon Orion (Gitarre). Das Interesse des Labels scheint aber - ganz im Gegensatz zur gängigen Praxis - ein langfristiges zu sein. Eine Single soll zunächst nicht veröffentlicht werden, stattdessen liegt das Augenmerk auf dem behutsamen Aufbau einer jungen Band. Letztlich erscheint 2003 dann aber mit "Fruits For The Nation" doch eine Single. Schließlich wachsen Union Youth noch zu Viva Zwei-Zeiten auf, diese Plattform will genutzt werden. Es vergehen Jahre, in denen von der Band nichts zu vernehmen ist. Erst der Frühling 2005 hält für die Fans musikalischen Nachschub bereit. Drummer Bowy blickt später zurück auf die Zeit zwischen Platte eins und zwei: "Wir sind gedroppt worden, als wir gerade im Studio waren (...) Wir hatten uns gerade für einen coolen Produzenten entschieden und angefangen, das neue Album aufzunehmen, und auf einmal sagte uns jemand, dass wir keinen Plattenvertrag mehr haben." Zum Glück erhalten Union Youth eine ordentliche Abfindung. Die ermöglicht es, die Aufnahmen mit The Hives-Mixer Michael Ilbert und Fireside-Gitarrist Pelle Gunnerfeldt nach eigenen Vorstellungen fortzusetzen. Die Sessions in der "dänischen Pampa" (Bowy) erweisen sich als äußerst fruchtbar. "The Boring Years" heißt das Resultat und klingt nach wie vor deutlich nach energischem US-Grunge. Der Nirvana-Vergleich hängt Union Youth übrigens mittlerweile aus den Hälsen. Sänger Maze hat dafür zwar etwas Verständnis. Trotzdem will er sich und die Band nicht in die Schublade "Die deutschen Nirvana" weggesteckt wissen. Mit der fertigen Platte macht sich die Band auf Labelsuche, wird schließlich bei Eat The Beat fündig: "Weil da Leute sitzen, die richtig Lust haben, das mit uns zu machen, und uns auch nicht nur als irgendeine kleine Nummer sehen."
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Markus, m24 Niedersachsen
531 Beiträge
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13.07.2005 09:38:37 |
Union Youth - The Boring Years Auch wenn es die vier Bad Bentheimer nicht mehr hören können: Sie klingen auf "The Boring Years" wie schon beim Debüt "The Royal Gene" zuallererst nach Nirvana. Besonders die Brecher "Request, "Chinahead" und das auch stimmlich sehr an die Seattle-Schule gemahnende "Laburnum" zitieren unverblümt das Grunge-Alphabet. Was gar nicht weiter schlimm ist, mal abgesehen von nervigen Journalistenphrasen wie "Die deutsche Antwort auf …", die das mit sich bringt. Denn Union Youth wissen verdammt gut, was sie da tun. Die Verzweiflung eines Kurt Cobain muss man schließlich erst einmal so authentisch wie Sänger und Gitarrist Maze abbilden. Außerdem ist der Platte ihre deutsche Herkunft in keiner Sekunde anzumerken. Dass der Vierer internationale Marktreife besitzt, bewiesen schon die Signing-Versuche eines gewissen Fred Durst. Das Rotkäppchen aus den Staaten geiferte vor ein paar Jahren um die Unterschrift bei seinem Label Flawless Records. Das große Geld und Tourneen im Tross des Mentors winkten. Doch Maze, Orion, Bowy und Nosse entschieden sich sympathischerweise gegen Flawless und für Eastweast. Mittlerweile stehen Union Youth bei Eat The Beat unter Vertrag. Weiterer Pluspunkt von "The Boring Years": Die unprätentiöse Direktheit. "Yeah" bricht los, dicht wie früher Harald Juhnke kurz nach Mitternacht. Solch charakterstarke Bretter schnitzen die niedersächsischen Schreiner im kompakten Drei-Minuten-Rhythmus. Kein Sample-Schnickschnack, wie er in Deutschland noch vor wenigen Jahren auf jedem harten Gitarrenrock-Album zu finden war. Die obligatorische Schönwetterballade? Nix da. Das brodelnde "I Would Swear If I Could" senkt zwar kurz den Lautstärkepegel. Die deprimierten Texte bilden aber einen krassen Kontrast. Der Sänger hisst die Flagge der Desillusion, plakative Schönheit ist seine Sache nicht. Lieber eine doppelte Portion Nihilismus. "About This Ride" reißt ungezogen an den Haaren: "You're looking for a big love? You're looking for sunshine? You oughtta have sunshine till you bleed!" Mit weit aufgerissenen Guckern grinst Stimmbandschänder Maze dem Hörer seiner fiesen Botschaft entgegen. Wenn für Union Youth langweilige Jahre so sehr nach Schleuderwaschgang klingen wie auf diesem Album, möchte ich nicht dabei sein, wenn die Party aus dem Ruder läuft. "Dressed Like Dolls" merkt man deutlich an, wer hier produziert und gemixt hat (Hives-Mischer Michael Ilbert bzw. Fireside-Gitarrist Pelle Gunnerfeldt). Skandinavischer Rock'n'Roll steht auf dem Puppenständer. Und auch die Exzentrik Craig Nicholls' schimmert durch. Es liegt weder an mangelndem Songwriting noch schlechtem Sound, wenn die Jugendfront trotzdem nicht Dauergast in Radioland wird. Das Problem ist schlicht verfehltes Timing. Grunge liegt lange begraben, und auch wenn "The Boring Years" alles andere als untot klingt: Bis die Retromanufakturen das Genre wiederkäuen, dürfte es noch einige Jährchen dauern. Die Platte gibt jedenfalls Anlass zur Hoffnung, dass Union Youth bis dahin noch nicht aufgegeben haben. Die können nämlich noch besser als gut.
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Letztes Update: 06.09.2007 07:00
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